15. Juli 2026
2019 habe ich meine Ausbildung zum Brainlog® Coach bei Andreas und Ulrike Zimmermann gemacht. Seitdem wende ich die Prinzipien von Brainlog® und die Methode selbst in meinen Coachings und Mentorings an.
Dies ist kein Artikel rein über den wissenschaftlichen Hintergrund. Es ist eine Mischung aus der Theorie, die ich in der Ausbildung gelernt habe und meinem eigenen Erfahrungsbericht, der so formuliert ist, wie ich Brainlog® kennengelernt und verstanden habe.
1. Wann EMDR an seine Grenzen stößt
EMDR – kurz für Eye Movement Desensitization and Reprocessing – arbeitet primär über die bilaterale Augenbewegung. Vielleicht hast du schon mal ein Szenario gesehen, in dem ein Therapeut oder Coach Zeige- und Mittelfinger zusammen auf einer bestimmten Höhe vor den Augen des Patienten/Klienten gleichmäßig, wie auf einer imaginären Gerade – immer wieder hin- und her bewegt. Das ist EMDR.
EMDR ist kurz gesagt: genial. Was innerhalb eines Reprossings auftaucht und verarbeitet wird – scheinbar nur über Augenbewegung – erstaunt mich jedes Mal aufs Neue! Und doch ist EMDR nicht für jeden Menschen die korrekte Methode.
Verarbeitung über die Augen ist für manche zu direkt oder anstrengend.
Ich habe eine Klientin, für die es sehr schwer ist, sich gleichzeitig auf die Augenbewegung zu fokussieren und auf das, was in ihr passiert (Prinzip der geteilten Aufmerksamkeit). Sie musste sich so stark auf das Hin- und Hingucken konzentrieren, dass sie keine Kapazität mehr für ihr inneres Erleben hat.
Wer sich zu stark auf die Augenbewegung konzentriert und dabei den Kontakt zur inneren Welt verliert, oder wer Herausforderungen mit den Augen hat, braucht etwas anderes. Und das ist vollkommen ok!
Der Fall war klar: Wir haben mit Brainlog® gearbeitet.
Ich sage in jeder Session, dass ich als Coach und Anwenderin der Methode immer das Fahrzeug bin, aber meine Klienten sitzen am Steuer, lenken und geben Gas oder bremsen. Sie entscheiden, was das Richtige für sie in jedem Moment ist.
Das ist auch, was jeder Heilungs- und Veränderungsprozess benötigt: Tools und Guidance, um in die eigene Selbstwirksamkeit zu kommen – keine Abhängigkeit zum Coach oder Therapeut.
Kurzerhand sind wir von EMDR auf Brainlog® umgestiegen und siehe da: Wo wir vorher nicht vorangekommen sind, lag plötzlich eine ganze Straße vor uns, die sie zu wesentlich mehr Entspannung und Leichtigkeit gebracht hat in einer ihrer größten Umbruchphasen ihrer Selbstständigkeit.
2. Was ist Brainlog®?
Meine EMDR Ausbilder Andreas und Ulrike Zimmermann haben aus ihrer langjährigen Erfahrung als Therapeuten und Coaches heraus Brainlog® entwickelt.
Als Grundlage dient bilaterale Stimulation – das gleiche Prinzip, auf dem EMDR auch beruht.
Brainlog® erfordert keine schnellen Hin-und-her-Augenbewegungen, sondern arbeitet mit dem Sinn, der gerade zur Verfügung steht, sowie mit Belastungs- und Ressourcen-Punkten.
Es sind weniger Wechsel notwendig, das Tempo kann noch langsamer gestaltet werden, die Sinne, mit denen gearbeitet wird, sind variabel – es wird aber eine ähnliche Wirkung erreicht, die mich jedes Mal aufs Neue begeistert.
Brainlog® arbeitet auf der Grundlage bilateraler Stimulation – das heißt, das Gehirn wird über Sehen, Hören oder Fühlen gleichzeitig auf beiden Seiten angesprochen. Das klingt komplizierter als es ist.
Was dabei passiert: Das Gehirn entspannt sich. Und in diesem entspannten Zustand können belastende Muster, Erinnerungen und Gefühle endlich verarbeitet werden – ähnlich wie beim Träumen, wenn das Gehirn nachts Erlebtes sortiert und integriert.
Ich sitze manchmal buchstäblich mit offenem Mund in einer Sitzung, weil es mich so fasziniert, was das Unterbewusstsein an Verknüpfung und Assoziation mit einem winzigen Auslöser in Verbindung bringt.
Brainlog® arbeitet mit einem einfachen aber kraftvollen Prinzip: Belastung UND Ressource.
Wir alle tragen beides in uns – das, was uns belastet, und das, was es auflöst. Brainlog® verbindet diese beiden Pole miteinander. Die Energie wird weg von der Belastung und hin zu dem gelenkt, was in dir schon als Ressource veranlagt ist.
Manchmal bedarf es anfangs einer umfangreichen Analyse und Erkundung, welche Ressourcen in Klienten angelegt sind. Das Gute: Jeder Mensch hat (interne und/oder externe) Ressourcen, die ihm oder ihr zur Verfügung stehen. Ggf. besteht noch kein direkter Zugang dazu, das kann ganz leicht erarbeitet werden.
Halten wir fest: Transformation (Heilung) geschieht über das kraftvolle Kombinieren der Gegensätze: Belastung und Ressource.
Was sonst noch interessant über Brainlog® zu wissen ist? Es setzt sich zusammen aus verschiedenen Anteilen verschiedener Disziplinen:
- Verhaltenstherapie
- EMDR
- NLP
- Bipolares Prinzip
- Ressourcenarbeit
- u.v.m.
3. Warum Brainlog® funktioniert
Um zu verstehen, warum Brainlog® und EMDR so tiefgreifend wirken können, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wie unser Gehirn lernt und verarbeitet.
Bilaterale Stimulation – was ist das?
Sowohl EMDR als auch Brainlog® liegt bilaterale Stimulation zugrunde.
Bilaterale Stimulation spricht beide Gehirnhälften rhythmisch an – beispielsweise über Augenbewegungen, Tapping, Musik, Gehen oder wechselseitige Berührungen. Dadurch wird neu Gelerntes besser und schneller verarbeitet.
Donald O. Hebb hat folgenden Satz geprägt: “Neurons that fire together, wire together.” Es bedeutet so viel, wie Neuronen, die gemeinsam aktiviert sind, verstärken sich. Durch bilaterale Stimulation werden gezielt Neuronen aktiviert, die dadurch verstärkt arbeiten.
Warum unser Gehirn überhaupt lernen kann
Für das Gehirn spielt es keine Rolle, ob das, was dich belastet, herausfordert, limitiert oder emotional triggert, real ist oder vorgestellt.
Stell dir zum Beispiel einmal vor, wie du genau jetzt in diesem Moment in eine saure Zitrone beißt…. auch ohne, dass du das tatsächlich tust, zieht sich alles in deinem Mund zusammen und du verziehst automatisch das Gesicht, als hättest du in eine saure Zitrone gebissen.
Dieses Beispiel zeigt, wie eng Vorstellung und körperliche Reaktion miteinander verbunden sind. Dieses Prinzip machen sich bspw. auch Spitzensportler zunutze, die neben physischem Training ihre körperlichen Abläufe auch mental (imaginiert) trainieren.
Bilaterale Stimulation hilft zudem, Eindrücke vom impliziten ins explizite Gedächtnis zu transportieren. Explizit ist das, an das wir uns erinnern. Implizit bedeutet, dass es unbewusst ist und wir keinen direkten Zugang haben – es wirkt aber dennoch.
Was passiert bei Trauma im Gehirn
Bei Trauma oder Überbelastung passiert Folgendes im Gehirn:
- Die Amygdala (Alarmzentrum) lernt: „Das ist gefährlich.“
- Der Hippocampus kann Erinnerungen weniger geordnet abspeichern.
- Der präfrontale Cortex (der bewusste, regulierende Teil) hat in Stressmomenten weniger Einfluss.
Das Nervensystem reagiert (mit Fight, Flight, Freeze oder Fawn) so, wie es am besten regulieren kann, und das speichert sich im Nervensystem ab.
Deshalb sprechen übrigens viele Coaches, Therapeuten und Nervensystem-Experten davon, dass Trauma und Überbelastung im Körper/Nervensystem gespeichert sind. Das ist auch richtig. Nur darf das Gehirn dabei nicht vernachlässigt werden.
Willst du Trauma oder belastende Erfahrungen auflösen, müssen Gehirn und Körper gleichermaßen einbezogen werden.
Warum Heilung ein Lernprozess ist
Neurologisch betrachtet ist Heilung deshalb vor allem ein Lernprozess.
Das Gehirn lernt, auf bekannte Reize anders zu reagieren, indem neue neuronale Verbindungen entstehen und bestehende Muster verändert werden. Diese Fähigkeit unseres Gehirns kennst du vielleicht unter Neuroplastizität.
Damit neue neuronale Netzwerke entstehen und dauerhaft bestehen bleiben (Langzeitpotenzierung), braucht das Gehirn vor allem drei Dinge:
- Wiederholung – Neue Erfahrungen müssen immer wieder gemacht werden.
- Emotionale Bedeutsamkeit – Was dich emotional berührt, wird leichter gespeichert.
- Bilaterale Stimulation – Abwechselnde Reize auf beiden Körperseiten, wie sie bspw. in EMDR eingesetzt werden, können die Verarbeitung belastender Erinnerungen unterstützen und das Gehirn dabei begleiten, neue Verknüpfungen zu bilden.
So wird nach und nach eine neue Erfahrung möglich: Das Nervensystem erkennt, dass eine Situation heute sicher ist, obwohl sie sich früher bedrohlich angefühlt hat. Alte Schutzmuster verlieren an Stärke, während neue, hilfreichere neuronale Verbindungen aufgebaut werden.
Oft erkenne ich den Moment, in dem mehr und mehr Sicherheit und Vertrauen zugänglich wird, bei meinen Klienten im Gesicht oder/und an ihrer Körperhaltung ganz eindeutig. Dieser Moment ist ein Geschenk für meine Klienten, aber auch für mich!
4. Was passiert während einer Brainlog®- oder EMDR-Sitzung?
Methoden wie EMDR oder Brainlog®, die mit bilateraler Stimulation arbeiten, haben nicht das Ziel, belastende Erinnerungen zu löschen. Vielmehr unterstützen sie das Gehirn dabei, die alten Erinnerungen neu zu verarbeiten und anders einzuordnen.
Dabei wird die belastende Erfahrung schrittweise mit neuen Informationen und deinen eigenen inneren Ressourcen verknüpft. Die Erinnerung bleibt bestehen – sie verliert jedoch ihre überwältigende emotionale und körperliche Wirkung.
Aus neurobiologischer Sicht bedeutet das: Die belastende Erinnerung wird nicht mehr automatisch und isoliert aktiviert, sondern gemeinsam mit neuen, regulierenden Erfahrungen. Dadurch entstehen neue neuronale Verknüpfungen, die dem Nervensystem signalisieren: Heute bin ich sicher.
Mit der Zeit können sich dadurch auch konditionierte körperliche Stressreaktionen abschwächen. Trigger lösen dann nicht mehr automatisch dieselbe intensive Alarmreaktion aus wie zuvor, weil das Gehirn gelernt hat, die Situation neu zu bewerten.
Ich empfinde es so, als hätte ich das zwar erlebt, aber als wäre es in einem anderen Leben passiert. Es macht emotional gar nichts mehr mit mir.
5. Wobei Brainlog® dich unterstützen kann – typische Themen
Brainlog® eignet sich überall dort, wo dein Nervensystem gelernt hat: „Das ist gefährlich.”, z.B.
- Trauma
- limitierende Glaubenssätze
- People Pleasing
- Perfektionismus
- Prokrastination
- Ängste
- innere Blockaden, die dich etwas nicht machen oder zurückziehen lassen
- in großen Veränderungsphasen und Umbruchzeiten, wenn alles unsicher ist
- Überbelastungen
- dem Gefühl “lost” zu sein und nicht “nützlich”
- usw.
In meinen Räumen finden sich überwiegend Menschen, die selbstständig sind oder es in naher Zukunft sein wollen. Die im Business oder/und Leben feststecken. Die Wirrwarr im Kopf haben und denen Klarheit für ihre nächsten Schritte fehlt. Die ein riesiges Herz haben und mit ihrer Arbeit und ihrem ganzen Sein einen Beitrag in der Gesellschaft leisten wollen. Und die manchmal einfach überlastet sind mit all den Aufgaben, die sie als Selbstständige, Frauen, Männer, Mütter, Väter, Töchter, Söhne, Eltern, Geschwister, Ehefrauen, Ehemänner, Partner*in etc. möglichst gut (genug) erfüllen wollen.
Ganz zu schweigen von zusätzlichen Extremsituationen, extrem stressigen Erfahrungen, nicht aufgearbeiteten Belastungen in Kindheit/Jugend und im Erwachsenenalter bis hin zu komplexen Traumata.
Wird die Überbelastung/das Trauma nicht behandelt, erlebt der Mensch durch verschiedene Trigger im Außen immer wieder die belastende Erfahrung noch einmal, wodurch jedes Mal das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird und der Körper in einen Dauerstress-Zustand gerät.
Die Folgen von Dauerstress sind inzwischen bekannt – und das sind “nur” die wissenschaftlich Nachgewiesenen:
- Schlafprobleme
- Konzentrationsschwierigkeiten
- erhöhte Reizbarkeit
- verlangsamte Regeneration
- Abschwächung bestimmter Immunfunktionen
- erhöhter Blutdruck
- Veränderungen des Stoffwechsels (z. B. vermehrte Fettspeicherung im Bauchbereich bei manchen Menschen) etc.
Auch hier unterstützt Brainlog® wunderbar, zurück zu einem befreiten, entspannten und leichten Sein zu finden.
6. Brainlog® oder EMDR?
Das Wichtigste: Es gibt kein richtig oder falsch. Besser oder schlechter.
Ich arbeite nicht Methoden-orientiert, sondern finde mit meinen Klienten gemeinsam heraus, was sie gerade am besten unterstützt. Dafür habe ich verschiedene Tools in meinem Werkzeugkasten. Daher ist es mir wichtig zu betonen: ich arbeite am Bedarf meines Gegenübers-orientiert.
EMDR empfinde ich persönlich als direkter, Brainlog® als sanfter und kreativer. Wie EMDR genau funktioniert, kannst du hier nachlesen.
Wie bereits zu Beginn beschrieben, gibt es Menschen, für die Brainlog® die passende Wahl ist.
Ein großer Vorteil von Brainlog® ist, dass wir mit dem Stärkenden – der Ressource – beginnen können und nicht mit der Belastung, wie im EMDR.
Manchmal stellt es auch eine super Abwechslung dar. Denn wir Menschen lieben Bekanntes und Gewohntes (aka Sicherheit) und gewöhnen uns schnell an Neues. Ist ein Klient länger bei mir, wende ich in der Regel beide Methoden an – einfach um neue Impulse zu geben und der Klientin mehr anbieten zu können.
Wenn Klienten eine Methode bevorzugen, dann ist das für mich auch klar! Denn das Wichtigste ist, die Klienten in ihre Selbstwirksamkeit zu bringen – und nicht mein eigenes Ego zu polieren. 😉
7. Mein persönlicher Blick auf Brainlog®
Ich liebe Brainlog® genauso wie EMDR.
Am meisten fasziniert mich bei beiden Methoden, was sich im Prozess konkret zeigt: Welche Erinnerungen und Gefühle aus dem Unterbewusstsein hochkommen, die bis dato mit der Belastung unbewusst verknüpft waren. Und wie hochgradig individuell jeder einzelne Prozess, jede einzelne Session ist!
Ich sitze so oft in einer Session und denke: Das kann sich doch kein Mensch ausdenken, wie eins mit dem anderen zusammenhängt – verrückt und genial zugleich!
Umso schöner ist der Moment, wenn ich bemerke, wie sich innere, geschlossene Türen plötzlich wieder öffnen, wenn mehr Möglichkeiten zu sehen sind. Wenn mein Gegenüber spürbar aufatmet, die Augen wieder zu leuchten anfangen und mehr Leben und Leichtigkeit zurückkehren. Und sie am Ende deutlich gelöster und freier den Zoom-Raum verlassen.
Was mich am meisten berührt, sind die Veränderungen, die später eintreten:
- die großen Entscheidungen, die getroffen werden
- das neue – gesunde – Verhalten, wo vorher keins war
- das ehrliche für sich einstehen
- die chronischen Schmerzen, die nahezu weg sind
- dem eigenen Weg folgen, statt Dinge so zu machen, wie andere sie machen.
Denn natürlich wirken diese Prozesse nach und nach.
Das Genialste: Ich halte “nur” den Raum. Die Lösungen kommen aus meinen Klienten selbst. Es fehlte der Zugang und diesen Zugang zu den eigenen Ressourcen und die Neuordnung von Synapsen im Gehirn, damit das möglich wird – das machen wir in den Sessions.
8. Fazit
Vielleicht hast du gerade zum ersten Mal verstanden, dass mit dir nie etwas falsch war.
Vielleicht hat dein Nervensystem einfach irgendwann gelernt, dass es dich auf eine bestimmte Weise schützen muss.
Und wenn du etwas in der Vergangenheit gelernt hast, kannst du auch heute etwas Neues lernen. Neurologisch betrachtet ist Heilung ein Lernprozess.
Genau darin sehe ich die Kraft von Brainlog® und EMDR.
Wenn du dich jetzt fragst, ob Brainlog® oder EMDR bei deinem Thema hilft, dann buche dir gerne einen unverbindlichen und kostenlosen 15-Minuten Connection Call mit mir: https://calendly.com/marieredecker/connection
Wir checken gemeinsam ein, was dein Thema ist, was du dir konkret wünschst und wie ich dich dabei bestmöglich unterstützen kann.
Wenn du schon weißt, dass du gerne am liebsten direkt loslegen möchtest, dann buche dir – ohne Connection Call – deinen Ersttermin hier: https://calendly.com/marieredecker/emdr
Ich hoffe, du konntest durch diesen Artikel einiges mitnehmen, besser verstehen oder neu lernen.
Hast du Fragen? Dann schreibe mir eine E-Mail oder eine Nachricht bei Instagram.
Love, Marie
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